Validation as a Service: Wie eine Agentur in einem Tag lernt, Ideen zu testen statt Stunden zu verkaufen

Von der Idee zum Prototypen in 48 Stunden: Wie die Werbeagentur Artos mit Google Stitch, NotebookLM und AI Studio lernt, Ideen zu validieren statt Stunden zu verkaufen – ein Workshop-Bericht.
Validation as a Service: Wie eine Agentur in einem Tag lernt, Ideen zu testen statt Stunden zu verkaufen

Letzte Woche habe ich bei Artos in Bern einen Tagesworkshop gegeben. Artos ist eine Werbeagentur, die für ihre Kunden Kampagnen, Webseiten und Markenauftritte entwickelt. Die Frage, die im Raum stand: Wie verändern die neuen Google AI Tools das, was wir unseren Kunden anbieten können – und zu welchem Preis?

Nicht als Theorie-Vortrag. Sondern hands-on, den ganzen Tag.

Warum Google – und warum jetzt?

Google hat in den letzten Monaten ein Ökosystem aufgebaut, das für Agenturen und Kreativteams enorm relevant ist. Nicht ein einzelnes Tool, sondern ein Zusammenspiel:

Gemini als Denkmaschine – nicht mehr nur Text, sondern multimodale Logik: Bilder analysieren, Code schreiben, Daten auswerten, alles in einem Modell.

NotebookLM als Gedächtnis – hier laden Sie Ihre Brand-Guidelines, PDFs, Meeting-Transkripte hoch. Die KI antwortet nur auf Basis dieser Quellen. Keine Halluzinationen, keine erfundenen Fakten. Sondern eine «Source of Truth» für Ihre Marke.

Stitch als Werkstatt – Sie skizzieren eine Idee auf Papier oder beschreiben sie in Worten. Stitch generiert daraus funktionalen Code: HTML, React, ein klickbares Interface. Kein Programmierer nötig.

AI Studio als Gehirn dahinter – hier wird der Code aus Stitch weiterentwickelt. Vibe Coding: Sie sagen «Füge eine Kartenintegration hinzu» oder «Verbinde das mit einer Datenbank», und die KI setzt es um. Am Ende steht eine funktionierende Web-App, die Sie mit einem Klick via Google Cloud Run veröffentlichen.

Das Entscheidende: Diese Tools arbeiten zusammen. Nicht als isolierte Spielereien, sondern als Produktionskette.

Was wir den ganzen Tag gemacht haben

Wenig PowerPoint, viel Bildschirm. Die Struktur war einfach: vormittags das Ökosystem verstehen, nachmittags damit bauen.

Wir haben mit NotebookLM angefangen – jeder hat echte Kundendokumente hochgeladen und getestet, wie präzise die Antworten werden, wenn die KI nur auf diese Quellen zugreift. Das war für viele der erste Aha-Moment: Die KI erfindet nichts mehr. Sie bleibt bei dem, was Sie ihr geben.

Dann Stitch: Idee skizzieren, Interface generieren lassen, in AI Studio weiterentwickeln. Der Ablauf, der normalerweise über Wochen geht – Briefing, Wireframe, Design, Entwicklung – komprimiert auf Stunden.

Am Ende des Tages hatten wir ein Keyvisual für eine Berner Bank umgesetzt. Vom ersten Entwurf bis zum fertigen Ergebnis. An einem Tag. Mit einem Team, das morgens noch nie mit Stitch gearbeitet hatte.

Der eigentliche Punkt: neue Angebote, die vorher zu teuer waren

Das ist die Stelle, an der es für Agenturen spannend wird – und für deren Kunden.

Eine professionelle Landingpage für einen Kampagnenlaunch? Früher ein Projekt mit Briefing, Webentwickler, Testphase, drei bis vier Wochen Durchlaufzeit. Heute: ein Tag. Die Kosten sinken, die Geschwindigkeit steigt – und plötzlich können Sie Dinge anbieten, die für viele KMU schlicht nicht im Budget waren.

Konkret haben wir fünf Anwendungsfälle durchgespielt:

Kundenpräsentationen: Statt statischer PDFs schicken Sie dem Kunden einen Link zu einer funktionierenden Webseite. Er kann scrollen, klicken, Formulare testen. Das wirkt professioneller und erhöht die Abschlussrate.

Marktvalidierung in Rekordzeit: Sie haben eine Idee für ein neues Angebot? Bauen Sie in Stunden eine Landingpage, schicken Sie den Link an Ihre Liste, und sehen Sie, wer klickt. Hypothesen testen, bevor Budget verbrannt wird.

Interne Tools und Dashboards: Einfache Formulare oder Dashboards für Ihr Team – ohne teure Softwarelizenzen. Bauen, Link teilen, fertig.

Lead-Magneten: Ressourcen-Seiten, Checklisten, interaktive Vorlagen – professionelle Assets, die E-Mail-Adressen einsammeln. Zeitinvestition: Minuten statt Tage.

Rapid Prototyping: Mehrere Versionen einer Idee parallel bauen, in verschiedenen Tabs öffnen, direkt vergleichen. Was früher Wochen brauchte, geht jetzt in Stunden.

Das neue Angebot: Validation as a Service

All diese Anwendungsfälle laufen auf eine Idee hinaus, die wir im Workshop immer wieder diskutiert haben: Validation as a Service.

Das Prinzip: Statt teure Entwicklungsprojekte zu verkaufen, verkaufen Sie Validierung. Ein Kunde hat eine Idee für ein Produkt, eine Kampagne, ein Angebot? Sie bauen in 48 Stunden einen funktionierenden Prototypen. Der Kunde kann ihn zeigen, testen, Feedback einholen – und erst dann entscheiden, ob er investiert. Hypothesen testen, bevor Budget verbrannt wird. Investoren überzeugen mit etwas, das man anfassen kann, statt mit PowerPoint-Folien.

Für Agenturen ist das ein komplett neues Geschäftsmodell. Für KMU, die sich bisher keine Webentwicklung leisten konnten, öffnet es eine Tür, die vorher verschlossen war.

Was das für die Preisgestaltung bedeutet

Wenn eine Aufgabe Sekunden statt Stunden dauert, darf die Abrechnung nicht mehr auf Zeit basieren. Das war einer der intensivsten Diskussionspunkte im Workshop.

Die Richtung ist klar: weg von «Zeit gegen Geld», hin zu Ergebnissen und Geschwindigkeit. Outcome-Based Pricing. Sie verkaufen nicht mehr den Aufwand, sondern das Resultat. Für den Kunden wird es günstiger. Für die Agentur bleibt die Marge – weil der Aufwand dramatisch sinkt.

Das ist kein Zukunftsszenario. Das ist das Geschäftsmodell, das Agenturen jetzt bauen können.

Was ich aus dem Tag mitnehme

Drei Dinge:

Erstens: Das grösste Hindernis ist nicht die Technik. Es ist die Gewohnheit. Das Team bei Artos hatte innerhalb von Stunden funktionale Ergebnisse – nicht weil sie besonders technisch sind, sondern weil sie bereit waren, es einfach zu machen.

Zweitens: NotebookLM als «Source of Truth» ist für jede Agentur ein Game-Changer. Wer Brand-Guidelines, Strategiepapiere und Kundenhistorie dort ablegt, hat eine KI, die im Tonfall der Marke bleibt und keine Fakten erfindet. Das löst eines der grössten Vertrauensprobleme mit KI.

Drittens: Die Kombination macht den Unterschied. Stitch allein ist nett. AI Studio allein ist mächtig. NotebookLM allein ist nützlich. Aber zusammen entsteht eine Produktionskette, die das Leistungsspektrum einer Agentur fundamental erweitert.

Für Artos war der Workshop der Startschuss. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche dieser Ansätze sich im Alltag durchsetzen – und welche neuen Angebote daraus entstehen.


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