Mein Second Brain: Wie Claude Cowork und Obsidian mein Unternehmen steuern

Zwei Tools, null Vendor Lock-in: Wie ein Ordner voller Markdown-Dateien und eine KI mein Unternehmen steuern. Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis.
Mein Second Brain: Wie Claude Cowork und Obsidian mein Unternehmen steuern

Ich führe zwei Unternehmen, jongliere Dutzende Kundenkontakte und habe den Kopf voller Ideen — von denen die meisten verloren gehen, bevor ich sie aufschreiben kann. Kennen Sie das?

Vor drei Wochen habe ich aufgehört, gegen dieses Chaos anzukämpfen. Stattdessen habe ich mir ein System gebaut. Kein teures SaaS-Tool, kein CRM mit 200 Funktionen, von denen ich drei nutze. Sondern etwas Einfacheres: einen Ordner voller Markdown-Dateien, eine KI die mitdenkt, und null Vendor Lock-in.

Was ist ein Second Brain?

Die Idee ist nicht neu. Tiago Forte hat sie populär gemacht: Ein externes System, das Ihr Wissen speichert, organisiert und wiederverwendbar macht. Statt alles im Kopf zu behalten, lagern Sie es aus — in ein System, das nie vergisst.

Was neu ist: KI kann dieses System jetzt aktiv nutzen. Nicht als passiver Speicher, sondern als Mitarbeiter, der Ihre Daten kennt, Ihre Regeln versteht und nach Ihren Vorgaben arbeitet.

Mein Setup in 30 Sekunden

Zwei Werkzeuge. Mehr braucht es nicht.

Obsidian ist mein Vault — ein Ordner mit Markdown-Dateien auf meinem Computer. Keine Cloud-Pflicht, keine Abo-Falle. Darin liegt alles: Kundendaten, Projektnotizen, Ideen, Rechnungen, mein Redaktionsplan, sogar dieser Blogartikel. Obsidian macht daraus eine vernetzte Wissensbasis mit Backlinks, Dashboards und einem visuellen Graphen.

Claude Cowork ist der Motor. Anthropics Desktop-App verbindet sich direkt mit meinem Vault-Ordner. Claude liest meine Dateien, versteht die Struktur und arbeitet damit. Wenn ich sage «Erstelle ein Angebot für die Firma XY», dann kennt Claude bereits die Kundendaten, meine Preisliste und meinen Schreibstil — weil alles im Vault liegt.

Wie das im Alltag aussieht

Montagmorgen. Ich öffne Claude und sage: «Wochenstart.» Claude liest quer durch meinen Vault — offene Projekte, unbeantwortete Anfragen, fällige Rechnungen, Ideen in der Inbox — und gibt mir ein Briefing. Kein Dashboard-Klicken, kein Scrollen durch Tools. Ein Satz, eine Übersicht.

Ein neuer Kunde meldet sich. Ich sage: «Neues Projekt, CitySpion AG, Sicherheitsbranche, will interne Abläufe optimieren.» Claude recherchiert die Firma, legt ein Kundenprofil an, erstellt die Projektstruktur, vergibt automatisch eine Projektnummer und sagt mir, was als Nächstes sinnvoll wäre. Das dauert 30 Sekunden statt 20 Minuten.

Eine Idee kommt mir unter der Dusche. Ich tippe ins Handy: «Idee: Goldbuddies — Sendung übers Goldwaschen.» Später fängt Claude sie ein, legt sie in die Inbox, verschlagwortet sie. Bei der nächsten Inbox-Review taucht sie wieder auf.

Die Architektur dahinter

Das System besteht aus fünf Schichten:

Die unterste ist der Vault — der Obsidian-Ordner mit einer klaren Struktur: Inbox, Projekte, Kunden, Betrieb, Content, Admin, Labor, Archiv. Alles Markdown, alles lokal.

Darüber liegt das YAML-Frontmatter — strukturierte Metadaten in jeder Datei. Typ, Bereich, Status, Kunde. Das macht aus losen Notizen eine abfragbare Datenbank.

Dann die Obsidian-Plugins: Dataview verwandelt den Vault in ein Dashboard. Templater sorgt für einheitliche Vorlagen. Kanban gibt mir ein Board. Full Calendar zeigt meine Google-Kalender.

Die vierte Schicht sind die Cowork Skills und Commands — 29 Befehle und 8 Skills, die Claude sagen, was bei welchem Auftrag zu tun ist. Von «Schreib eine Rechnung» über «Mach einen SEO-Audit» bis «Sei mein Strategieberater und sag mir die Wahrheit».

Zuoberst sitzt das Selbstlern-System: Wenn ich sage «Ab sofort immer Schweizer Rechtschreibung», speichert Claude diese Regel im Vault. Beim nächsten Mal weiss er es — egal in welcher Session.

Warum kein Notion? Kein Monday? Kein Asana?

Drei Gründe.

Erstens: Datenkontrolle. Meine Kundendaten, Preislisten und Geschäftsgeheimnisse liegen auf meinem Rechner. Nicht auf einem Server in Virginia.

Zweitens: Keine Abhängigkeit. Wenn Obsidian morgen eingestellt wird, habe ich immer noch einen Ordner voller Textdateien. Wenn Claude durch eine andere KI ersetzt wird, funktioniert der Vault trotzdem. Versuchen Sie das mal mit Notion.

Drittens: KI-Kompatibilität. Markdown-Dateien sind das Format, das KI am besten versteht. Kein API-Mapping, kein Export, kein Konvertieren. Claude liest direkt, was Obsidian schreibt.

Was es kostet

Obsidian ist gratis. Claude Cowork ist im Claude Pro-Abo enthalten (ca. CHF 20 pro Monat). Dropbox für den Sync habe ich ohnehin. GitHub für das Backup ist gratis.

Zum Vergleich: Ein CRM wie HubSpot kostet ab CHF 50 pro Monat, Notion mit KI ab CHF 10, Monday ab CHF 36. Und keines davon versteht Ihren Schreibstil.

Für wen ist das?

Nicht für alle. Das System verlangt eine gewisse Bereitschaft, sich mit der Struktur auseinanderzusetzen. Es ist nichts für Menschen, die eine App erwarten, die nach dem Download einfach funktioniert.

Es ist etwas für Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre eigenen Prozesse kennen — und die Kontrolle nicht abgeben wollen. Für Freelancer mit mehreren Standbeinen. Für KMU-Inhaber, die genug haben von Tool-Hopping.

Und ja: Es braucht einen halben Tag Aufbauzeit. Aber danach arbeitet es für Sie — jeden Tag ein bisschen mehr, weil es dazulernt.

Der nächste Schritt

Ich baue dieses System gerade mit ausgewählten Kunden auf. Nicht als Produkt — als Beratung. Weil jedes Second Brain anders aussieht. Meins steuert eine Filmproduktion und ein Beratungsunternehmen. Ihres steuert vielleicht eine Anwaltskanzlei, eine Agentur oder einen Handwerksbetrieb.

Was alle verbindet: Die KI arbeitet mit Ihren Daten, nach Ihren Regeln, in Ihrem Tempo.

Wenn Sie wissen wollen, ob das für Ihr Unternehmen funktioniert — schreiben Sie mir.


Dieser Artikel wurde in meinem Second Brain geschrieben, von Claude in meinem Vault abgelegt und wird als nächstes nach Ghost exportiert. Meta, oder?

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