Mein Logo hat kein Grafikprogramm gesehen
Mein neues Logo hat kein Grafikprogramm gesehen. Kein Illustrator, kein Figma, nicht einmal Canva. Es ist in Chatfenstern entstanden, in knapp einer Stunde, von der ersten Anfrage bis zum fertigen Set: Monogramm, Wortmarke, gestapelt und einzeilig, hell und dunkel, App-Icon, alles als saubere Vektordatei. Ich habe in dieser Stunde keine einzige Kurve gezogen. Ich habe getippt, geschaut, gemeckert und wieder getippt.
Geplant war das nicht. Ich steckte mitten in den Abschlussarbeiten eines Projekts, als mir ein Video vorgeschlagen wurde: wie gut ChatGPT angeblich Logos entwickelt. Normalerweise klicke ich so etwas weg. Diesmal nicht, weil ich dringend eines brauchte, für dani-knows-ai, für ein Werbeplakat, das in den nächsten Wochen hängen soll. Also habe ich es nebenbei probiert. Ohne grosse Hoffnung, das muss ich dazusagen: Ich hatte das in den letzten Jahren mit x verschiedenen Tools versucht und bin nie über ein «naja» hinausgekommen. Hübsche Bilder, keine Logos.
Und ich sage es gleich vorweg, bevor es jemand anderes tut: Grafikerinnen und Grafiker können dieses Logo vermutlich in der Luft zerreissen. Die Rundungen, die Laufweite, die Frage, ob ein k überhaupt so aussehen darf. Das ist in Ordnung. Ich habe dreissig Jahre mit Gestaltern gearbeitet und weiss, was ich nicht so gut wie sie kann. Aber mir gefällt es. Ehrlich. Und damit hätte ich nicht gerechnet.
Ein Briefing, auf das jeder Grafiker mit Rückfragen reagiert hätte
Der erste Prompt ging an Astra 6, und ich zitiere ihn hier nur mit leichter Scham: «ich benötige für dani-knows-ai.com ein logo. hilf mir weiter». Kleinschreibung inklusive. Kein Moodboard, keine Farbe, keine Vorstellung. Jeder menschliche Gestalter hätte an dieser Stelle einen Fragebogen geschickt oder einen Workshop vorgeschlagen.
ChatGPT und schaute sich meine Website an, las heraus, dass ich praxisnahe KI-Beratung für KMU mache, und lieferte ein «dk»-Monogramm in Schwarz-Weiss mit Schriftzug darunter. Solide. Austauschbar. Es hätte genauso gut für einen Dachdecker Kurt funktioniert. Doch es inspirierte mich irgendwie und so ging der Dialog weiter.
Aus «dk» wurde «dka». Und dann kam der Moment, den ich für den eigentlichen Entwurf halte, und der von mir stammt, nicht von der Maschine: Ich schlug vor, einen i-Punkt über den rechten Stamm des «a» zu setzen. Damit stecken «a» und «i» in einem einzigen Zeichen. Das Monogramm liest sich als «dkai», und das kleine Quadrat über dem Stamm ist das einzige harte Element in einer sonst fliessenden Linie. Ein menschlicher Punkt in einer Maschinenlinie, wenn man es poetisch will. Ich wollte es eigentlich nur hübsch.
Die ersten Fassungen waren Bildgenerierung: schön anzusehen, unbrauchbar für alles. Der Wendepunkt kam, als Codex das Monogramm als SVG-Vektorgrafik nachbaute und die Wortmarke mit echten Schriftdateien setzte. Ab da konnte man über Millimeter streiten. Ich machte Screenshots, malte mit dem Finger Kreise um das, was mich störte, und schrieb Dinge wie «das k ist zu fett» oder «d und a sollen gleich rund sein». Die Maschine passte Fugen an, führte den unteren Schenkel des k in die Rundung des a weiter, verlängerte den i-Punkt um zwanzig Prozent nach unten. Jede Änderung eine Zeile Text, jede Antwort eine neue Datei. Es fühlte sich an wie Arbeit mit einem sehr geduldigen Praktikanten, der nie Mittagspause macht und nie beleidigt ist.
Nach dieser Etappe hatte ich ein fertiges Logo. Dachte ich.

Dann habe ich es zerpflücken lassen
Für die zweite Etappe habe ich das System gewechselt und Claude gebeten, ein Designkritiker zu sein, der weiss, was ich anbiete. Ich wollte keine Höflichkeit, ich wollte ein Urteil. Ich bekam eines: Das Monogramm sei stark und habe eine eigene Idee. Der Rest sei «noch Platzhalter».
Dann ging es ins Detail, und es tat ein bisschen weh. Das Monogramm hat ein einstöckiges, rundes a, der Schriftzug darunter ein zweistöckiges in einer Schrift, die an Helvetica erinnert: zwei Häuser, ein Logo. Die Bindestriche waren so dünn, dass der Name in drei Inseln zerfiel. Das «.com» hing darunter wie eine Fussnote. Und das Ganze wirke kühl und teuer, wie ein Architekturbüro, während ich kleine, bezahlbare KI-Lösungen verkaufe und Leute abhole, die der Technik eher misstrauen. Ich habe das gelesen und gedacht: Stimmt alles. Ärgerlich.
Drei Vorschläge habe ich übernommen. Eine Farbe, aber nur für das Quadrat: das Orange meines Website-Buttons, damit Logo und Seite dieselbe Sprache sprechen. Eine Schrift, die zum Monogramm passt, geometrisch, mit einstöckigem a. Und Bindestriche und i-Punkte als kleine Quadrate, in derselben Logik wie im Monogramm. Das «.com» flog raus; wer das Logo sieht, findet die Website auch so.
Und jetzt kommt die Stelle, die ich Ihnen nicht vorenthalten will, weil sie das ganze Thema in einem Satz zusammenfasst. Die KI, die mir eben noch das zweistöckige a als Kardinalfehler vorgehalten hatte, baute den neuen Schriftzug in einer Schrift, die selbst ein zweistöckiges a hat. Ich habe es beim ersten Blick gesehen und gefragt: «Wieso trotzdem zweistöckiges a?» Die Antwort kam ohne Ausflüchte: eigener Fehler, Schrift getauscht, Set neu gebaut. Zehn Minuten. Ich kenne Agenturen, die für denselben Vorgang eine Woche und eine Rechnung brauchen.
Zum Schluss der Kleintest, den ich selbst nie gemacht hätte: das Kürzel bei 16, 24, 32 und 48 Pixeln, nicht vergrössert, so wie es in einem Browser-Tab oder einer E-Mail-Signatur erscheint. Ab 24 Pixeln funktioniert es. Bei 16 wird es zu einem orangen Fleck mit Ambitionen. Das Favicon braucht also eine eigene, reduzierte Form. Den Punkt habe ich bewusst offen gelassen. Es war schliesslich Freitag abend.

Und weil die Stunde ohnehin schon absurd genug war: Zum Schluss hat Claude mir ein Video inklusive Ton des Entstehungsprozesses produziert, vom ersten Bildentwurf bis zum korrigierten Punkt. Ich habe dafür keinen Schnittplatz geöffnet. Das Video steht unter diesem Artikel; es ist kürzer als die Zeit, die ich sonst brauche, um ein Logo-Briefing zu schreiben.
Was bedeutet das für ein Unternehmen in der Schweiz?
Ich will damit niemandem den Beruf absprechen. Ein Logo von einer guten Gestalterin ist etwas anderes als das hier: Da steckt ein Blick von aussen drin, der nicht von meinen eigenen Vorlieben eingefärbt ist, und eine Erfahrung, die weiss, warum ein k so aussieht und nicht anders. Genau diesen Blick habe ich mir am Ende mit der Designkritik geliehen, wenn auch nur simuliert. Wer ein Logo braucht, das zehn Jahre und drei Rebrandings der Konkurrenz überlebt, sollte weiterhin jemanden anrufen, der das gelernt hat.
Aber drei Dinge aus dieser Stunde lassen sich auf fast jede Aufgabe in einem Betrieb übertragen.
Erstens: Das Ergebnis kam nicht aus einem perfekten Prompt. Mein erster Satz war so schlecht, wie ein Briefing nur sein kann. Entscheidend waren die vielen kleinen Entscheidungen danach. Ich lieferte Ideen, Referenzen und visuelles Feedback, die KI erzeugte Varianten, gab gestalterische Einschätzungen und setzte Korrekturen technisch um. Wer vom ersten Prompt das fertige Resultat erwartet, wird enttäuscht. Wer bereit ist, dreissig Mal «noch nicht, aber näher» zu sagen, hat nach einer Stunde etwas in der Hand.
Zweitens: Der Wechsel vom Bild zur Datei war wichtiger als jede ästhetische Entscheidung. Solange die KI Bilder malte, hatte ich hübsche Ideen. Erst als sie Vektordateien schrieb, hatte ich ein Werkzeug. Dasselbe gilt für Offerten, Berichte und Tabellen: Fragen Sie nicht nur, ob die KI etwas Schönes erzeugt, sondern ob es in einem Format kommt, mit dem Sie weiterarbeiten können.
Drittens: Lassen Sie Ihre Arbeit von einer zweiten KI zerpflücken, bevor Sie sie freigeben. Nicht «ist das gut?», sondern «sei ein Kritiker mit diesem Hintergrund und sag mir, was nicht funktioniert». Diese eine Frage hat an meinem Logo mehr verändert als die ganze Bauphase davor. Und wenn die Kritikerin dann selbst danebenliegt, ist das kein Argument gegen das Vorgehen. Es ist der Beweis, dass am Ende immer noch jemand hinschauen muss, der weiss, was er will.
Das Logo hängt jetzt auf der Website. Wenn Sie es sehen und denken, das hätte ich auch gerne, schreiben Sie mir. Am liebsten mit dem Hinweis, welche Aufgabe in Ihrem Betrieb sich für eine solche Stunde eignen würde. Wir finden sie gemeinsam.
Entstehungsprozess Logo dkai
Jede Woche Erkenntnisse aus meiner Arbeit mit KI: Was funktioniert, was nicht, und was für Ihr Unternehmen relevant ist.
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