KI-Spam flutet Social Media – was bedeutet das für Ihr Content-Marketing?
Scrollen Sie mal fünf Minuten durch LinkedIn. Zählen Sie, wie viele Posts sich anfühlen, als hätte sie ein Mensch geschrieben. Wirklich geschrieben – mit einer eigenen Meinung, einer konkreten Erfahrung, einem Gedanken, der nicht aus dem Lehrbuch kommt.
Sie werden nicht viele finden.
Was Sie stattdessen finden: perfekt strukturierte Posts mit fünf Absätzen, einer Emoji-Überschrift und einem Call-to-Action am Ende. Generische «5 Tipps für Ihr Business»-Karussells. Motivationszitate auf Stockfoto-Hintergrund. Und die immer gleichen LinkedIn-Phrasen: «Ich bin dankbar», «Wer kennt's?», «Lasst das mal sacken.»
Willkommen in der Ära von AI Slop.
Die Zahlen sind ernüchternd
Seit November 2024 stammt mehr als die Hälfte aller neu veröffentlichten Online-Texte nicht mehr von Menschen. Auf Social Media ist es noch extremer: Schätzungen gehen davon aus, dass rund 71 Prozent der auf sozialen Medien geteilten Bilder KI-generiert oder erheblich KI-bearbeitet sind. Und laut einer GetApp-Studie planen Unternehmen, bis 2026 durchschnittlich 48 Prozent ihrer Social-Media-Inhalte mit generativer KI zu erstellen.
Das Ergebnis: Feeds, die sich anfühlen wie ein einziger langer Text von niemandem. Austauschbar, glatt, ohne Kante.
Der Begriff dafür hat es sogar in die Wörterbücher geschafft: «AI Slop» – billiger, massenhaft produzierter KI-Content, der auf Engagement optimiert ist, aber keinen echten Wert liefert.
Warum das für KMU ein Problem ist
Wenn Sie als Unternehmen auf Content-Marketing setzen – und das sollten Sie – dann konkurrieren Sie nicht mehr nur mit Ihren Mitbewerbern. Sie konkurrieren mit einer Maschine, die unendlich viel produzieren kann. Und die Algorithmen der Plattformen können längst nicht immer zwischen Substanz und Spam unterscheiden.
Das heisst: Ihre sorgfältig geschriebenen Posts ertrinken in einem Meer aus generischem Inhalt. Ihre Zielgruppe scrollt schneller, überliest mehr, vertraut weniger. Die Aufmerksamkeitsspanne war schon vorher kurz. Jetzt ist sie unter Beschuss.
Für KMU, die nicht über riesige Marketing-Budgets verfügen, klingt das bedrohlich. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – es ist auch eine Chance.
Authentizität wird zur Währung
Hier passiert gerade etwas Interessantes: Je mehr KI-Content die Feeds flutet, desto wertvoller wird das, was echt ist.
Instagram-Chef Adam Mosseri hat öffentlich gesagt, dass die zunehmend realistischen KI-Inhalte eine der grössten Herausforderungen für Social Media sind. Plattformen wie Meta und TikTok kennzeichnen KI-generierte Inhalte – aber die Umsetzung ist lückenhaft. Gleichzeitig wachsen Community-getriebene Plattformen wie Reddit und Discord. Die Leute suchen wieder nach echten Gesprächen.
Porsche hat 2025 mit einer bewusst menschengemachten Werbekampagne virale Aufmerksamkeit erzielt – nachdem eine vorherige KI-generierte Anzeige dem Image eher geschadet hatte. Der Gegentrend hat begonnen.
Für KMU bedeutet das: Ihr grösster Vorteil ist, dass Sie echt sind. Sie sind kein gesichtsloser Konzern. Sie haben Geschichten. Sie haben Mitarbeitende mit Meinungen. Sie haben Erfahrungen, die kein Sprachmodell erfinden kann.
Was ich für mein eigenes Marketing daraus ziehe
Ich nutze KI intensiv – für Recherche, für erste Entwürfe, für Bildgenerierung, für Workflows. Ich bin der Letzte, der sagen würde: Finger weg von KI-Tools.
Aber ich veröffentliche nichts, was ich nicht selbst durchdacht, überarbeitet und mit meiner Perspektive versehen habe. Kein Post geht raus, den ich nicht selbst unterschreiben würde. Das ist der Unterschied zwischen KI als Werkzeug und KI als Ersatz.
Konkret: Ich lasse Claude einen ersten Entwurf schreiben. Dann lösche ich die Hälfte, schreibe um, füge Beispiele aus meiner Praxis ein und prüfe, ob jeder Satz etwas Konkretes sagt. Wenn ein Absatz auch in jedem anderen Blog stehen könnte, fliegt er raus. Der Zeitaufwand ist höher als bei «Generate and Post». Aber die Wirkung ist eine andere.
Fünf Grundsätze für KMU-Content in der AI-Slop-Ära
Echte Erfahrung schlägt perfekte Struktur. Ein Post, in dem Sie erzählen, wie ein Projekt bei Ihnen schiefgelaufen ist, wirkt stärker als zehn «Best Practice»-Listen.
Weniger ist mehr. Lieber zwei gute Posts pro Woche als fünf generische. Die Algorithmen belohnen Engagement, nicht Frequenz. Und Engagement entsteht durch Relevanz.
Zeigen Sie Gesichter. Menschen folgen Menschen, nicht Logos. Lassen Sie Mitarbeitende zu Wort kommen. Zeigen Sie den Alltag. Das kann kein KI-Tool fälschen.
Nutzen Sie KI für die Arbeit hinter dem Content. Recherche, Datenanalyse, Terminplanung, A/B-Tests – da ist KI brillant. Für den Content selbst: als Sparringspartner, nicht als Ghostwriter.
Haben Sie eine Meinung. Das ist der einfachste und wirksamste Unterschied. KI-generierter Content ist meistens ausgewogen bis zur Bedeutungslosigkeit. Eine klare Haltung macht Sie sichtbar.
Was das für die Zukunft heisst
Die KI-Content-Flut wird nicht abnehmen. Sie wird zunehmen. Die Produktionskosten sinken weiter, die Tools werden besser, und der wirtschaftliche Anreiz ist zu gross.
Aber genau deshalb wird Authentizität zum Wettbewerbsvorteil. Nicht als Marketing-Buzzword, sondern als messbare Strategie. Unternehmen, die echte Geschichten erzählen, echte Expertise zeigen und echte Beziehungen aufbauen, werden sich durchsetzen – gerade weil der Rest im Rauschen untergeht.
Für KMU ist das keine schlechte Nachricht. Es bedeutet, dass Sie nicht das grösste Budget brauchen. Sie brauchen die klarste Stimme. Und gute Geschichten – die hat Ihr Unternehmen längst. Sie müssen nur erzählt werden. Als Filmemacher mache ich das seit 15 Jahren. Als KI-Berater helfe ich Ihnen, es auch in einer Welt voller Maschinen-Content zu tun.
Für KMU ist das keine schlechte Nachricht. Es bedeutet, dass Sie nicht das grösste Budget brauchen. Sie brauchen die klarste Stimme.
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