KI ganz konkret: Für Architektur- & Ingenieurbüros
Meine erste Berührung mit Architektur war kein Studium, sondern eine Lehre. Hochbauzeichner, Anfang der Achtziger, als Pläne noch von Hand gezeichnet wurden und ein Radiergummi das wichtigste Korrekturwerkzeug war. Mein Vater führte ein Innenarchitekturbüro — ich bin mit Grundrissen und Schnittzeichnungen aufgewachsen, lange bevor ich zur Kamera griff.
Heute produziere ich mit Soda Film Erklärfilme und Visualisierungen für die Planungsbranche. Für den SIA habe ich Erklärfilme zum Thema «Planen und Bauen in Projektallianzen» produziert. Für die USIC Verbandsfilme. Für Migros den Umbau der Filiale Brienz filmisch begleitet und einen Animationsfilm über das geplante Projekt Marktgasse realisiert. Für die BKW die Infofilme über den Rückbau des Kernkraftwerks Mühleberg.
Was ich dabei immer wieder sehe: Planungsbüros sind technisch auf hohem Niveau — BIM, parametrisches Design, digitale Zwillinge. Aber im Alltag zwischen Ausschreibungstexten, SIA-Normen und Bauherrenkommunikation laufen Prozesse, die unverhältnismässig viel Zeit fressen. Genau dort liegt der Hebel.
Wo KI in Planungsbüros heute schon funktioniert
Visualisierungen ab Entwurfsphase. Das ist das Feld, das ich selbst am besten kenne — weil ich es täglich nutze. Mit ComfyUI generiere ich aus Plänen und Entwurfszeichnungen fotorealistische Visualisierungen, als Stills und als Video. Was früher ein externes Rendering-Büro brauchte, zwei Wochen dauerte und fünfstellig kostete, entsteht heute in Stunden. Nicht als Ersatz für die finale Planungsvisualisierung, aber als Werkzeug im Entwurfsprozess und im Gespräch mit der Bauherrschaft. Wenn der Kunde sieht, wie der Anbau im Kontext wirkt, bevor ein einziger Stein gesetzt ist, fallen Entscheide schneller — und die Korrekturrunden werden kürzer.1
Ausschreibungstexte und Leistungsverzeichnisse. Wer je ein Leistungsverzeichnis nach NPK geschrieben hat, weiss: Es ist präzise Arbeit, aber ein grosser Teil davon ist Wiederholung mit Variationen. Sprachmodelle können aus einem Beschrieb — Material, Fläche, Anforderungen — einen ersten Entwurf generieren, den die Fachperson prüft und ergänzt. Nicht blind übernehmen, aber als Startpunkt, der die erste Stunde spart.
Normenrecherche und SIA-Standards. Die SIA-Normenlandschaft ist komplex — allein das Verständnis, welche Norm in welcher Projektphase gilt, kostet Erfahrung und Zeit. Ein Sprachmodell, gefüttert mit den relevanten Dokumenten, kann als Rechercheassistent dienen: «Welche Brandschutzanforderungen gelten für eine Holz-Beton-Verbunddecke in einem dreigeschossigen Wohnbau?» Die Antwort ersetzt keine fachliche Prüfung, aber sie verkürzt den Weg dorthin erheblich.
Protokolle und Bauherrenkommunikation. Bausitzungen produzieren Protokolle. Viele Protokolle. Und jedes muss präzise, vollständig und verständlich sein — auch für Bauherren ohne Fachsprache. KI kann aus Notizen oder sogar aus Audioaufnahmen strukturierte Protokollentwürfe erstellen. Das spart nicht nur Zeit, sondern verbessert die Dokumentationsqualität.
Wettbewerbsbeiträge und Projektbeschriebe. Die Textarbeit bei Architekturwettbewerben ist enorm — Konzeptbeschriebe, Erläuterungsberichte, Referenzlisten. Hier können Sprachmodelle den Entwurf liefern, den das Team dann mit der eigenen Haltung und den projektspezifischen Details verfeinert.
Was nicht funktioniert
KI plant kein Gebäude. Sie berechnet keine Statik und sie ersetzt kein Fachwissen über Bauphysik, Brandschutz oder Schallschutz. Die planerische Verantwortung bleibt beim Menschen — und das ist richtig so.
Auch bei Visualisierungen gibt es eine klare Grenze: Generierte Bilder zeigen Atmosphäre und Proportion, keine massgenauen Details. Wer einem Bauherrn ein KI-Bild als verbindliche Darstellung verkauft, hat nachher ein Problem. Und Ausschreibungstexte aus der KI müssen fachlich geprüft werden — eine falsche Position im Leistungsverzeichnis kann teuer werden.
Warum gerade jetzt
Die Schweizer Planungsbranche steht unter dreifachem Druck. Erstens: Die BIM-Pflicht im öffentlichen Bereich ist Realität — das Merkblatt SIA 2051 definiert den Standard.2 Zweitens: Der Fachkräftemangel trifft Ingenieurbüros besonders hart — qualifizierte Planerinnen und Planer sind schwer zu finden.3 Drittens: Die Erwartungen steigen — schnellere Visualisierungen, kürzere Planungszyklen, mehr Varianten in weniger Zeit.
Die AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 zeigt, dass 34 Prozent der Schweizer KMU KI bereits einsetzen — ein Anstieg von 22 Prozent im Vorjahr. 57 Prozent der Anwender berichten von verbesserter Effizienz.4 In der Planungsbranche dürfte die Adoptionsrate ähnlich liegen, aber ungleich verteilt: Grosse Büros experimentieren bereits mit generativem Design und KI-gestütztem BIM, während kleinere Büros oft noch am Anfang stehen.
Gleichzeitig entwickeln sich die Werkzeuge rasant. Laut dem Chaos State of ArchViz Report nutzen bereits 44 Prozent aller Architekturbüros KI für Konzeptbilder.5 Büros berichten von einer Reduktion der Visualisierungskosten um 60 bis 80 Prozent bei Wettbewerbsbeiträgen.6 Das ist kein Nischenthema mehr.
Was das für Ihr Büro heisst
Wenn Sie ein Planungsbüro mit zehn bis fünfzig Mitarbeitenden führen, kennen Sie den Spagat: Die fachliche Arbeit ist anspruchsvoll, die Büroarbeit daneben frisst Kapazität. Ausschreibungen, Korrespondenz, Normenrecherche, Wettbewerbstexte — alles Aufgaben, bei denen das Wissen vorhanden ist, aber die Formulierung Zeit kostet.
Der Einstieg muss kein Digitalisierungsprojekt sein. Ein Sprachmodell, ein klar definierter Anwendungsfall und zwei Wochen Ausprobieren reichen für den ersten Schritt. Die Frage ist nicht, ob KI für Planungsbüros relevant ist. Die Frage ist, wo sie bei Ihnen den grössten Unterschied macht — und das ist von Büro zu Büro verschieden.
Genau das klären wir im BOOST-Paket: drei Monate, in denen wir Ihre Prozesse anschauen, die passenden Werkzeuge identifizieren und die ersten Workflows zum Laufen bringen. Von der Visualisierung über die Ausschreibung bis zur Bauherrenkommunikation. Pragmatisch, ohne Buzzwords — so wie man in einem Planungsbüro halt arbeitet.
Quellen
1: AI in Architectural Visualization 2025–2026: Revolution or Hype?, Ravelin3D
2: Digitalisierung und BIM — Merkblatt SIA 2051, KBOB
3: Fachkräftemangel-Index Schweiz, Stellenmarkt-Monitor Schweiz, UZH
4: KMU Arbeitsmarktstudie 2025: Künstliche Intelligenz, AXA Schweiz
5: Top 19 AI Tools for Architects in 2026, Chaos Blog
6: How Architecture Firms Slash Visualization Costs by 80%, Dev|Journal
Jede Woche Erkenntnisse aus meiner Arbeit mit KI: Was funktioniert, was nicht, und was für Ihr Unternehmen relevant ist.
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