Ihre Agentur verkauft noch Stunden? Das wird teuer.

39 % der CMOs kürzen bei Agenturen. KI übernimmt Produktion, Reporting, Adaption. Was bleibt? Zugang, Urteilsvermögen und Wirkung. Eine Einordnung für KMU und Agenturführungen.
Ihre Agentur verkauft noch Stunden? Das wird teuer.

Marketing-Budgets stagnieren bei 7,7 Prozent vom Umsatz.¹ 39 Prozent der CMOs kürzen aktiv bei Agenturen.² Gleichzeitig nutzen 87 Prozent der Marketingverantwortlichen Generative AI in mindestens einem Workflow.³ Die Zahlen erzählen eine Geschichte, die viele Agenturen noch nicht hören wollen: Ihre Daseinsberechtigung steht zur Debatte.

Was gerade passiert

Die Verschiebung ist keine Prognose mehr. Sie findet statt. GitHub Copilot generiert heute durchschnittlich 46 Prozent des Codes, den Entwickler schreiben.⁴ Bildgeneratoren liefern in Sekunden, wofür Grafikteams Tage brauchten. Ein erfahrener Freelancer mit den richtigen KI-Tools produziert heute Ergebnisse, die vor drei Jahren eine ganze Abteilung beschäftigt hätten — für einen Bruchteil der Kosten.

Das betrifft nicht nur Code und Grafik. Recherche, Reporting, Adaptionen, Textproduktion — alles, was sich in einem Briefing beschreiben lässt, lässt sich zunehmend automatisieren. Und «zunehmend» bedeutet hier: nicht in zehn Jahren, sondern in den nächsten 24 Monaten.

Die Schere geht auf

Der Markt polarisiert sich. Oben stehen die grossen Holding-Netzwerke, die massiv in KI-Infrastruktur investieren. Sie haben die Daten, die Plattformen, die Skaleneffekte. Unten operieren Freelancer und Solo-Unternehmer, die mit einem Laptop und ein paar Abonnements Enterprise-Level-Output liefern. Beide Enden wachsen.

Was schrumpft, ist die Mitte. Die klassische Agentur mit 15 bis 80 Mitarbeitenden, die Stunden verkauft und Deliverables liefert. Sie wird von beiden Seiten unter Druck gesetzt — von oben durch Effizienz, von unten durch Preis.

Das heisst nicht, dass diese Agenturen verschwinden müssen. Aber sie müssen aufhören, das zu verkaufen, was KI besser und billiger kann.

Was nicht automatisierbar ist

Wenn Produktion, Adaption und Reporting zur Commodity werden, stellt sich eine unbequeme Frage: Wofür bezahlt ein Kunde dann noch eine Agentur?

Die Antwort liegt in drei Bereichen, die KI bisher nicht replizieren kann.

Zugang. Beziehungen zu Entscheidern. Verbindungen zu Communities und kulturellen Räumen, die eine Marke allein nicht betritt. Creator-Netzwerke, die Authentizität liefern, die kein Briefing herstellt. Das sind keine Dinge, die man skalieren oder automatisieren kann. Sie entstehen durch Vertrauen, über Jahre.

Urteilsvermögen. Die richtige Entscheidung im richtigen Moment treffen. Wissen, welchen Trend man mitnimmt und welchen man ignoriert. Einen Raum lesen können — ob das eine Verwaltungsratssitzung ist oder eine Kommentarspalte. KI kann Daten analysieren und Optionen vorschlagen. Aber die Entscheidung, welche Tür sich lohnt, braucht Erfahrung und Intuition.

Wirkung. Kreative Arbeit, die in Sekunden etwas auslöst, aber Jahre braucht, um sie zu entwickeln. Die Fähigkeit, eine Geschichte so zu erzählen, dass sie hängen bleibt. Das ist kein Prompt Engineering — das ist Handwerk, geschliffen durch tausende Projekte.

Was das für Schweizer KMU bedeutet

Wenn Sie als KMU mit Agenturen zusammenarbeiten, sollten Sie sich eine einfache Frage stellen: Bezahle ich für etwas, das ich mit den richtigen Tools selbst erledigen könnte? Wenn die Antwort Ja lautet, dann tun Sie es. Oder lassen Sie es von einem Freelancer für einen Bruchteil erledigen.

Aber wenn Sie eine Agentur brauchen, die Ihnen Türen öffnet, die Sie allein nicht finden — dann suchen Sie nach genau das. Nach Zugang, nicht nach Stunden. Nach Urteilsvermögen, nicht nach Deliverables.

Und wenn Sie selbst eine Agentur führen: Prüfen Sie ehrlich, welcher Anteil Ihres Umsatzes aus Leistungen kommt, die in zwei Jahren ein Freelancer mit einem 20-Dollar-Abo erledigt. Dann entscheiden Sie, was Sie stattdessen verkaufen wollen.

Die Agentur der Zukunft ist kein Produktionsbetrieb. Sie ist Concierge, Türöffner und Sparringspartner. Sie verbindet Marken mit den Nischen, die den Markt definieren. Und sie hat das Urteilsvermögen, zu entscheiden, welche Verbindungen sich lohnen.

KI kann produzieren. KI kann optimieren. KI kann sogar Strategie simulieren. Aber KI baut keine Beziehungen auf. Und genau dort liegt die Zukunft — für Agenturen, die sie ergreifen wollen.


Wenn Sie wissen wollen, wo Ihre Agenturleistungen durch KI ersetzbar sind — und wo nicht — ist der KI-Kompass ein guter erster Schritt.

Quellen:

¹ Gartner CMO Spend Survey 2025 — Marketing-Budgets stagnieren bei 7,7 % vom Umsatz. ² Gartner 2024/2025 — 39 % der CMOs planen Kürzungen bei Agentur-Allokationen. ³ Digital Applied, AI Marketing Statistics 2026 — 87 % der Marketingverantwortlichen nutzen GenAI. ⁴ GitHub / Quantumrun 2026 — Copilot generiert durchschnittlich 46 % des geschriebenen Codes.

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